Kein Ding ist Gott so sehr entgegengesetzt
wie die Zeit

Meister Eckhart




„Illumina Nos“

ILLUMINA NOS ist ein Konzert, das Musik mit Licht und Raumerleben in Verbindung bringt. Älteste und neueste Musik mit geistlichem Inhalt treffen aufeinander. Das wird nicht nur in der Gegenüberstellung von Gregorianischem Choral, Perotin, Gesulado und Dufay mit der Musik des Münchner Komponisten Dirk-Michael Kirsch, sowie des amerikanischen Komponisten Robert Moran deutlich, sondern spiegelt sich auch als werkimmanenter Aspekt der ausgewählten Musik selbst wieder: Die fehlenden Stimmen der Motetten Gesualdos wurden von Igor Stravinsky rekonstruiert, wobei dieser auf feinsinnige Weise alte Stimmführungskunst mit eigenem Klangideal in Übereinstimmung brachte und bei Dirk-Michael Kirschs Werk „Orlamento“ handelt es sich um eine Klangcollage basierend auf musikalischen Fragmenten aus der Feder von Orlando di Lasso. Robert Morans Werk mit dem Titel „Und da entstünde ein Engel“ ist von den Worten des Mystikers Meister Eckhart inspiriert und bildet den abschließenden Höhepunkt des Konzertes.

Der Gesamttitel ILLUMINA NOS des Konzertes entspricht dem Titel von Gesualdos Motette und erzeugt so ein inhaltliches Leitmotiv für Kompositionen und Gregorianische Gesänge. Er enthält auch einen Hinweis auf die äußere Erscheinung des Konzertes, das mit bewegenden und kunstvoll eingesetzten Lichteffekten die Einbeziehung des gothischen Kathedralraumes des Ingolstädter Münsters in das Konzertgeschehen unterstützt: Musik, komponiert und improvisiert, wird von verschiedenen Orten des Raumes erklingen, Gregorianische Gesänge und neue Musik werden wie räumlich entfernte Echos aufeinander reagieren. Neben den Gesängen der Schola Gregoriana und zu einigen vom Ensemble Chrismòs aufgeführten Werken wird das Grassauer Blechbläserensemble den Klangeindruck wesentlich prägen. Das allein vom Bläserensemble aufgeführte Werk „Cortège“ ist eine Widmung Robert Morans an das Ensemble.

Mit dieser Konzeption aus Musik, Raum und Licht setzt ILLUMINA NOS, erstmals aufgeführt am 27.11.2005 in der Herz-Jesu Kirche in München, eine von der selben Künstlergruppe initiierte Reihe von Konzerten fort, die in den letzten Jahren mit den Titeln STIMMEN DES LETZTEN SIEGELS im Münchner Liebfrauendom und dem Liebfrauenmünster Ingolstadt sowie mit LUNE im Turm des Deutschen Museums München zu dessen 100. Gründungsjubiläum stattgefunden haben und auf große Resonanz gestoßen sind. ILLUMINA NOS wurde in einer Variante am 27. November 2005 mit großem Erfolg in der neuen Herz-Jesu Kirche in München aufgeführt.



Idee: Robert Moran, Alexander Hermann

Licht: Georg Veit, Oliver Haas

Orgel: Beatrice Menz
Orgelimprovisationen: Alexander Hermann
Posaunenimprovisationen: Johann Schmuck

Vokalensemble Chrismos, Ltg. Alexander Hermann
Schola Gregoriana Regensburg, Ltg. Rudolf Fischer
Grassauer Blechbläserensemble, Ltg. Wolfgang Diem

Gesamtleitung: Alexander Hermann



Gregorianischer Choral


Communio
„Illumina faciem tuam“

Robert Moran (*1937)


„Cortège“
für Blechbläserensemble

Gregorianischer Choral


Graduale
„Viderunt omnes fines terrae“

Perotin (um 1200)


„Viderunt omnes“
für Männerchor

Alexander Hermann (*1966) /
Johann Schmuck (*1976)

„Improvisation“
für Orgel und Posaune

Gregorianischer Choral

Offertorium „Oravi Deum meum“

Carlo Gesualdo di Venosa
(*1560-1630)
ergänzt von Igor Strawinsky
(*1882-1971)

Sacrae cantiones:
„Illumina nos“
für 7 stimmigen gemischten Chor
a cappella

Dirk-Michael Kirsch (*1964)
nach Motiven von
Orlando di Lasso
mit Orgelimprovisation
(Alexander Hermann)

„Orlamento“
Klangkollage für 2 Chöre,
Vokalquartett, 4 Posaunen


Gregorianischer Choral:
und Organum (11.Jh.)

Kyrie
„Cunctipotens genitor“

Guillaume Dufay
(um 1400-1474)


Hymnus
„O lux beata, trinitas“
für Schola und Chor

Robert Moran (*1937)
nach Texten von
Meister Eckhart
(um 1260-1328)


„Und da entstünde ein Engel“
für gemischten Chor, 10 Blechbläser
und Orgel

– Uraufführung –